Historie

Die Geschichte der evangelischen Johanneskirche Forstwald

- zusammengefasst von Albrecht Raff -

1931 – 1948 Aus verschiedenen Chroniken und Berichten

1931 Erstes Gesuch um pfarramtliche Eingemeindung des Forstwaldes nach Krefeld, nachdem die politische Eingemeindung 1929 vorausgegangen war. Bis dahin mussten die evangelischen Familien des Forstwaldes nach Anrath in die Kirche gehen. Das Konsistorium in Koblenz, damals die Kirchenleitung im Rheinland, lehnte ab mit der Begründung, die kleine Gemeinde Anrath sei auf die Forstwalder Kirchensteuer angewiesen. Im November 1932 erfolgte der zweite Antrag und im Juni 1933 wurde die Umgemeindung nach Krefeld genehmigt. Die erste Gemeindeversammlung fand im Gasthof Klauth (Haus Rehorn) mit 25 evangelischen Familien unter Leitung von Pfarrer Wewer statt. 6 Jahre lang soll die Hälfte der Kirchensteuer noch nach Anrath gehen. Für Gottesdienste wurde eine Waldkapelle geplant; die Suche nach einem Grundstück erwies sich als sehr schwierig. Gottesdienste wurden „open air“ als Waldgottesdienste gehalten, zuerst am Bellenweg Ecke Plückertzstraße in der Nähe des Waldarbeiterhauses, später auf einer Lichtung mit einer mächtigen Buche etwa gegenüber der heutigen Einmündung des Gustav-Fünders-Wegs in den Bellenweg. Der Platz im Wald wurde von der Stadtverwaltung aus Brandschutzgründen für eine Kapelle abgelehnt. Für die ersehnte Kapelle fehlten Geld, Platz und später auch die politische Zustimmung. Trotzdem wurde für eine Kapelle gesammelt. Hinweistafeln und Klingelbeutel für den Waldgottesdienst fertigten Gemeindeglieder an. Im April 1934 genehmigte die Stadt das Aufstellen von Bänken für den Waldgottesdienst, bis Himmelfahrt 140 Sitzplätze, bis Pfingsten 300 Sitzplätze.

Im Oktober 1933 wurde die Frauenhilfe gegründet. Man traf sich alle 14 Tage in Privathäusern zum Stricken und Nähen für wohltätige Zwecke, besonders für das Waisenhaus Bruckhausen. Im Gasthof Klauth traf man sich zu monatlichen Familienabenden. Ab Juli 1934 leitete Emil Graf die kleine Gemeinde Forstwald. Pfarrer Wewer war treuer und ständiger Gast bei den monatlichen Familienabenden und geistiger Anreger durch ungezählte Vorträge und Berichte zu kirchlichen und christlichen Problemen, auch in der Auseinandersetzung mit der Entwicklung im Dritten Reich. Ab November 1934 wurden auf Initiative von Emil Graf Bausteine-Karten zur Finanzierung der künftigen Kapelle verkauft. Fazit am Jahresende
134,55 RM. Bis 1937 wächst die Rücklage auf 638,83 RM.

In den folgenden Jahren ging der Besuch der Kirche und der Veranstaltungen infolge der politischen Ereignisse stark zurück. 1940 verbot das Dritte Reich weitere Zusammenkünfte der Gemeinde. Vereinzelte Waldgottesdienste fanden bis Ende 1940 statt. Dann wurden Kanzel und Bänke verschleppt, der Platz verödete. Die kleine Gemeinde wurde auseinander gerissen durch Wehrdienst, Bombenkrieg usw. Ab November 1945 wurde wieder alle 14 Tage von Pastor Hamer ein Gottesdienst in einem Raum der Schulbaracke abgehalten. Die Gemeinde wuchs durch Bombengeschädigte und durch Flüchtlinge aus dem Osten. Der Schulraum wurde zu klein, ein größerer Schulraum wurde bereit gestellt, der beim Weihnachtsgottesdienst kaum ausreichte. 1947 Neubeginn der Frauenhilfe: Noch „viel Trümmer auch im kirchlichen Leben“. Viel Elend, viele Hilfsanforderungen. 1948: Klage über den zu kleinen engen Raum in der Schulbaracke, in dem wir uns „nur geduldet fühlten“. Die Frauenhilfe durfte ihn nicht benutzen, sie tagte bei Frau Graf.

Chronik von 1948 – 1971 von Wilhelm Riemann, Erinnerungen von Frau Dr. Jahn

Mitte 1948: Pfarrer Walter Noetzel und Schwester Auguste übernahmen die Gemeinde, die auf 400 Seelen angewachsen war. Pfarrer Noetzels Bezirk reichte vom Ostwall bis zum Degensweg, von der St.-Töniser-Straße bis zur Gladbacherstraße, damals 9000 Gemeindemitglieder und das zu Fuß!

Im Dezember 1948 wurde in Paderborn eine Holzbaracke für die lang ersehnte Kapelle gekauft; sie wurde von Fahrzeugen der Firmen Graf und Kress in den Forstwald transportiert. 1949: Nach schwieriger Platzsuche wurde ein Grundstück Bellenweg Ecke Plückertzstraße auf mindestens 10 Jahre mit Vorkaufsrecht gepachtet (180 DM/Jahr) und dort die Kapelle errichtet. Freiwillige Mitglieder der Gemeinde erstellten das Betonfundament und richteten die Baracke auf. Die Baracke enthielt nun einen Kirchenraum, einen Jugendraum, der gleichzeitig Sakristei war und dahinter eine Wohnung mit 4 kleinen Räumen für den Lehrer. Im September 1949 wurde die Kapelle feierlich eingeweiht mit Posaunen- und Kirchenchor. Beheizt wurde sie mit einem Kanonenofen, möbliert war sie mit den unterschiedlichsten alten Stühlen. Ab Silvester 1949 fanden alle 14 Tage Gottesdienste statt, dazwischen Lesegottesdienste, gehalten von Lehrer Hermann. Außer dem Pfarrergehalt wurden alle Ausgaben von der Gemeinde aus Spenden und Kollekten bestritten, so auch das Harmonium, das im November 1950 für 400 DM angeschafft werden konnte. Organist war Tillmann Strater.

In den 50-er bis 70-er Jahren waren Wilhelm Riemann, seine Frau und seine Töchter die Seele der Gemeinde. W. Riemann tat alles, vom Organisieren der Gruppen bis zum Läuten der Glocken, war Presbyter, CDU-Ratsherr, Mitbegründer des Bürgervereins und dessen erster Vorsitzender. Er konnte für den kleinen Vorort und die Kirche Entscheidendes bewirken.

Ab Oktober 1955 kam Pfarrer Elfrath für Pfarrer Noetzel. Auch Pfarrer Elfrath hatte einen großen Bezirk mit Forstwald, Lindental, Stahldorf und Fischeln. Aber er hatte ein Auto. Ab Januar 1958 kam Pfarrer Stockkamp für Forstwald und Lindental. Im Juli 1958 kaufte die Evangelische Kirchengemeinde von Krefeld von Herrn G. Thyssen (Jentgesallee) das Grundstück Bellenweg 159, 5.000 qm groß mit aufstehenden Gebäuden (Küster- und Gerätehaus).

Mitte der Fünfziger Jahre wurde beschlossen, eine neue Kirche zu bauen. Ein riesiges Vorhaben für die kleine Gemeinde. Dem Bauausschuss gehörten an: Fr. Dr. Helene Jahn, Pfr. Stockkamp, Wilhelm Riemann (Vorsitzender), die Herren Buchenau, Dr. Michelau, Frahmheim und Laage. Architekt war H. Scharnofske. Ein Drittel der Kosten sollte die Gemeinde selber aufbringen, die einzelnen Familien verpflichteten sich, nach Kräften einen festen Betrag zu spenden, den in bar der Bauausschuss und andere Personen ca. drei Jahre lang jeden Monat an den Haustüren einsammelten. Eine unglaubliche Leistung! Aber es gab auch finanzkräftige Forstwalder Spender, zum Teil mit eigenen Firmen. Die Industrie-Companie Kleinewefers spendete z. B. die Luftheizung. Das schöne Abendmahlsgerät wurde von der Familie Kammen (Goldschmied) gestaltet und gespendet. Die Kirche mit Turm, Glocken und Orgel sowie das Jugendheim kosteten 285.000 DM. Die Gemeinde brachte davon 41.000 DM auf. Die Glasfassade der Kirche wie das Mosaik mit der Vision des Sehers Johannes über der Eingangstür wurde nach einem Vorschlag des Forstwalder Künstlers Professor Gustav Fünders gestaltet, die Ausführung des Mosaiks wurde gespendet.

Eingeweiht wurde die Kirche durch den Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland Prof. Dr. J. Beckmann und den Superintendenten des Kirchenkreises Krefeld, Wilhelm Veit. Der erste Küster der Kirche war Paul Wiemer.

Bei der Innengestaltung des Jugendheims war die Frauenhilfe wesentlich beteiligt. Sie erfüllte damals alle Aufgaben bei Kirchenfesten, vom Kuchen-Backen bis zum Tische-Rücken und Aufräumen. Nach dem Bau von Kirche und Gemeindehaus wurde die Holzkapelle an den Club für Schäferhunde am Stockweg abgegeben. Auf dem Kapellengelände wurde das Pfarrhaus errichtet, nachdem die evangelische Kirchengemeinde Alt-Krefeld das gepachtete Grundstück erworben hatte. 1963 wurde die Bücherei eröffnet. Ab 1963 fanden auf dem Gelände der Kirche mehrere Jahre lang in den Ferien täglich Sommerspiele für Kinder der Gemeinde incl. Verpflegung statt, die bis heute unvergessen sind und die Frau Dolezalek, Tochter von Küster Wiemer, leitete. 1964 kam Pfarrer Mand, zuständig für Forstwald und Lindental.

Inzwischen war der „Jungmütterkreis“ entstanden, gegründet von Frau Mand in Lindental; er fand zuerst auch dort statt. Pfarrer Mand bot Bibelseminare im Forstwald an. 1966 wird der Bezirk geteilt. Mit Pfarrerin Wenzlaff bekam die Gemeinde zum ersten Mal eine Pfarrerin, die nur für Forstwald mit Holterhöfe und Gatherhof zuständig war. Vieles wurde neu belebt: Angebote für Kinder und Jugendliche entstanden, es gab viele Konfirmanden. Nun tagte der „Jungmütterkreis“ im Forstwald. Andere Gruppen kamen dazu. Während des Baus der Kirche Maria-Waldrast stand die Johanneskirche auch den katholischen Christen zur Verfügung.

1971 wurde Pfarrerin Wenzlaff als Nachfolgerin von Pfr. Noetzel an die Alte Kirche gewählt.

1971 – 2001 Pfarrer Michael Hack

Nachfolger im Juli 1971 war Pfarrer Hack. Die selbstverständliche ökumenische Zusammenarbeit zwischen Maria-Waldrast und der Johanneskirche wurde fortgesetzt, von Anfang an bestand ein sehr guter Kontakt zu Pfarrer Lunkebein. Pfr. Hack überließ die Leitung der Gemeindekreise, alten wie neu gegründeten ehrenamtlichen Mitarbeitern. Aus dem Jungmütterkreis wurde der Montagskreis, der auch bald die Gemeindeaufgaben der Frauenhilfe übernahm. Alle Kreise sind ökumenisch angelegt. 1972 entstand der ökumenische Seniorentreff unter der Leitung von Renate Strauss, der als Treffpunkt älteren Menschen bei Kaffee und Gebäck Kontakte ermöglicht. Vorträge und Themen aller Art wurden angeboten.

1976 wurde mit Waltraud Albiger der Besuchsdienst gegründet, der bis heute die Aufgabe hat, die Gemeindemitglieder zu besuchen und ihnen die Gemeindebriefe auszuhändigen. Viele Feste wurden gefeiert, so wurden die Osternacht und die Christmette eingeführt. Pfr. Hack bot in der Kirche, zum Teil in Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein, Kulturveranstaltungen an, wie Konzerte, Lesungen, Ausstellungen. Daneben wurden Reisen mit biblischem Bezug durchgeführt, wie nach Israel, Ägypten, Türkei, Malta. Der „Gesprächskreis für aktuelle Fragen“, die „Üfüfüs“ und andere Kreise bildeten sich neu.

In dieser Zeit malte Pfarrer Hack das dreiflügelige Altarbild, für die leere Kirchenwand.

1991 entstand in ökumenischer Zusammenarbeit der beiden Kirchengemeinden die Alten-Tages-Pflegestätte „Der Lehnstuhl“. Zehn Jahre lang bot der Lehnstuhl Menschen, die zu Hause gepflegt wurden, die Möglichkeit, an einem oder zwei Tagen in der Woche, Gast zu sein und schöne Stunden in Gemeinschaft zu verleben, um die Angehörigen zu entlasten. Als zusätzliche Aufgabe übernahm Pfr. Hack die Polizeiseelsorge und übergab dafür den Bezirk Gatherhof an die Lindentaler Gemeinde.

2001 – heute Zeit der Umstrukturierung und des "Neubeginns"

Nach der Pensionierung von Pfr. Hack im Jahre 2001 begann eine schwierige Zeit ohne Pfarrer, die in der Gemeinde viele Ängste und Unsicherheiten auslöste, da Umstrukturierungen bevorstanden und auch der Gemeindestandort in Frage gestellt wurde. Pfr. Grohn und Pfrin Dr. Beiner konnten nur kurze Zeit Dienst tun, die Pfarrer der anderen Gemeinden übernahmen Vertretungen. Brigitte Koll, Predigthelferin, leistete wertvolle Dienste. Wie stark die Gemeinde ist, sah man daran, dass alle Gruppen weiter liefen. Gerade in dieser Zeit konnte durch die Spendenbereitschaft der Gemeinde das Vordach vor dem Gemeindehaus gebaut werden, das uns nun für viele Feste und Veranstaltungen als grünes Wohnzimmer dient. Durch eine Spende des Bürgervereins konnte für die Spielgruppen ein Blockhaus beschafft und durch ehrenamtliche Mitarbeiter aufgebaut werden.

Mit der Umstrukturierung unserer Gemeinden entstand eine Kooperation zwischen der Gemeinde Alt-Krefeld mit der Friedenskirche. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass dem Forstwald ab dem 1.1. 2006 mit Pfarrer Klaus Niewerth wieder ein eigener Pfarrer, wenn auch nur für 8 Stunden in der Woche zur Verfügung steht. Mit Pfr. Niewerth ist wieder lebendige Kirche in unsere Gemeinde eingekehrt mit neuen Veranstaltungen. Nach seiner Pensionierung im Januar 2009 wird Sylvia Pleger als neue Pfarrerin am 08. Januar 2009 in ihr Amt eingeführt.

Das Leben in unserer Gemeinde ist seit Jahrzehnten geprägt von dem großen persönlichen Einsatz vieler ehrenamtlicher Helferinnen und Helfern.

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